16.07.2010

Gliegerkarspitze (Ostgipfel, 2551 m), Bretterspitze (2609 m) / Allgäuer Alpen

Für den letzten Tourentag des Juli-Urlaubs haben wir uns die längste und eindrucksvollste Tour aufgehoben und bewegen uns nach drei Touren in den Lechtaler Alpen heute in den Allgäuer Alpen. Wir fahren früh nach Hinterhornbach und starten um 7:25 Uhr am Parkplatz an der Hornbachbrücke und folgen dem Wegweiser Richtung Kaufbeurer Haus, um heute Gliegerkarspitze und Bretterspitze zu besteigen.

Am Himmel zeigt sich keine Wolke und es verspricht wieder ein heißer Tag zu werden. Glücklicherweise liegt der Anstieg zum Kaufbeurer Haus nordseitig und wir bewegen uns zunächst im Schatten. Auf den ersten Metern schrecken wir einen Hasen auf, der uns zunächst ungläubig anschaut und als ich die Kamera heraushole gleich das Weite sucht.

Der Weg zum Kaufbeurer Haus schlängelt sich in Serpentinen den Berg hinauf und ist teilweise stark zugewachsen. Wann immer man sich umdreht und den Blick nach Norden schweifen lässt, bietet sich einem ein grandioser Blick auf den Hochvogel auf der anderen Seite des Hornbachtals.

Um kurz nach 9:00 Uhr wird der Pfad etwas flacher und wir haben den Rand des Urbeleskars erreicht. Bald sehen wir auch schon das Kaufbeurer Haus, sowie unsere heutigen Ziele, die Bretterspitze und die Gliegerkarspitze.

Nach 2 Stunden Wanderung seit unserem Aufbruch in Hinterhornbach kommen wir schließlich am Kaufbeurer Haus an und machen eine erste Pause im Schatten der Hütte. Um 9:40 Uhr haben wir wieder genug Power, um den Weg fortzusetzen. Es geht jetzt zunächst über Wiesenflächen und bald über steinige Absätze und Geröll ins Kar zwischen Bretterspitze und Gliegerkarspitze. Die Hütte liegt bald schon in weiter Ferne.

Jetzt müssen wir 2 kleinere Schneefelder queren, bis wir an die Stelle kommen, an der der markierte Weg eine Linkskehre macht und weiter Richtung Schwärzerscharte führt. Wir gehen hier vom Weg ab und begeben uns auf die undeutlichen Pfadspuren in Richtung Nordostgrat der Gliegerkarspitze.

In steinigem Gelände auf dem Grat gewinnen wir dann rasch an Höhe und folgen bei der Routenwahl entweder unserem Instinkt oder den ab und an auftauchenden Steinmännern.

Bald tauchen im Fels auch alte Eisenstifte auf, die uns den weiteren Weg weisen und uns versichern, dass wir uns noch auf dem alten, nicht mehr instandgehaltenen Weg zum Gliegerkar befinden. Laut einem alten Allgäu-Führer von Waltenberger aus dem Jahr 1950 wurde der Pfad aufgrund der "ungünstigen Schneeverhältnisse" aufgelassen. Wegen der vergleichsweise geringen Schneefallmengen des vorangegangen Winters und der letzten heißen Tage können wir davon nichts spüren und kommen problemlos um 11:15 Uhr in die Gliegerscharte.

Von hier aus sind es nur noch wenige Höhenmeter über den Ostgrat zum Ostgipfel der Gliegerkarspitze, den wir um 11:20 Uhr betreten und wo wir unsere erste Gipfelrast des Tages einläuten. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Hornbachkette und vor allem Urbeleskarpspitze und Bretterspitze direkt vor unserer Nase zeigen sich sehr eindrucksvoll.

Wir werden es heute beim Ostgipfel der Gliegerkarspitze bewenden lassen, der Übergang zum eigentlich greifbar nahen Hauptgipfel sieht uns von hier aus betrachtet etwas zu wild und ausgesetzt aus.

Bei der Rast haben wir die ganze Zeit die Gelegenheit den weiteren Verlauf unserer Bergtour zu betrachten. Der Westgrat der Bretterspitze erhebt sich direkt vor unserer Nase und verspricht eine Herausforderung zu werden.

Um 12:00 Uhr brechen wir dann wieder auf und steigen zunächst zurück in die Gliegerscharte, um dann die Kletterei in Richtung Gliegerkarspitze zu beginnen. Wir halten uns eigentlich immer direkt auf dem Grat und genießen die nette Kraxelei in erstaunlich gutem Fels, die sich fast durchgehend im I. Grad bewegt und nur an wenigen Stellen etwas schwieriger wird. An einem steileren Aufschwung im Mittelteil und an der letzten Felswand vor dem Gipfel weichen wir jeweils kurz nach Süden aus und umgehen so zwei schwierigere Stellen.

Nach 50 Minuten, die wie im Flug vergehen, sind wir fast ein wenig enttäuscht, dass der Westgrat hier schon endet und wir den höchsten Punkt der Bretterspitze erreicht haben. Bald überwiegt aber natürlich die Freude diesen tollen Anstieg gemeistert zu haben und wir blicken noch einmal zurück und gehen dann noch die wenigen Meter zum Gipfelkreuz.

Wir genießen die umfassende Rundumsicht bei einer Pause und betrachten dabei vor Allem die Westseite der Urbelekarspitze, die sich jetzt in bestem Licht zeigt.

Nach einer Viertelstunde starten wir den Abstieg über den Normalweg zur Schwärzerscharte, wo wir nach einer weiteren Viertelstunde ankommen und weiter Richtung Kaufbeurer Haus absteigen. Von hier aus hat man eine gute Perspektive, um den Übergang vom Gliegerkarspitze-Ostgipfel zum Haupgipfel heranzuzoomen. Bereits seit wir auf dem Westgrat zur Bretterspitze unterwegs waren, macht auf dem Ostgipfel ein Bergsteiger Rast, der das Gipfelbuch studiert, welches aus dem Jahr 1989 stammt und so einige interessante Einträge enthält.

Wir bewegen uns weiter bergab und kommen schließlich um 14:25 Uhr am Kaufbeurer Haus an, wo wir nochmal ein wenig ausruhen.

Nach zwanzig Minuten begeben wir uns dann auf den Pfad Richtung Hinterhornbach und verlieren rasch an Höhe. Im unteren Bereich treffen wir dann noch auf zwei Kollegen des DAV, die gerade dabei sind, den Weg mit ihren Sicheln vom gröbsten Wildwuchs zu befreien, bevor sie im Anschluss die Hütte übers Wochenende öffnen und bewirten. Wir bedanken uns für ihren Einsatz und kommen so noch schneller bergab. Um 16:15 Uhr stehen wir dann am Auto in Hinterhornbach und können auf einen ausgefüllten Bergtag zurückblicken.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 8:50 h und 7:00 h reiner Gehzeit eine Strecke von 12,4 km mit einem Aufstieg von ca. 1780 m und einem Abstieg von ca. 1780 m bewältigt.

Inspiriert und ermöglicht wurde unsere heutige Tour durch die perfekte Beschreibung von Boris Stephan unter www.gipfelsuechtig.de. Herzlichen Dank dafür!

Den Track zu unserer Tour gibt es bei www.wandermap.net, mehr Bilder gibt es bei www.23hq.com oder direkt hier:

Bitte den Hinweis zu unseren Tourenberichten beachten!


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