19.06.2007

Bergtour im Kleinwalsertal über Hochstarzel (1974 m), Güntlispitze (2092 m) und Hintere Üntschenspitze (2046 m) / Allgäuer Alpen

Am heutigen Morgen erwartet uns wieder herrliches Wetter und es bestehen keine Zweifel daran, dass heute ein sonniger und heißer Tag wird. Nach dem Frühstück geht es für uns heute ins Kleinwalsertal, genauer gesagt an dessen Ende nach Baad, wo wir das Auto parken. Heute ist eine Gratwanderung auf den Grasbergen zwischen Widderstein und Walmendinger Horn angesagt. In nordwestlicher Richtung lassen wir den Ort hinter uns und begeben uns auf den Weg ins Turatal. Im Aufstieg sehen wir im Osten den alles überragenden Großen Widderstein und auch der Kleine Widderstein lugt irgendwann über dem Bärenkopf hervor.

Vor unserer Nase haben wir anfangs immer den Blick auf den Talschluss und unsere ersten Ziele, das Starzeljoch und den Hochstarzel.

Irgendwann endet die Teerstraße und wird zum Forstweg durch die Turaalpe. Bald begegnen uns die ersten Kühe und wo wir zu Beginn noch in einiger Entfernung an den Viechern vorbeilaufen können, stehen die Wiederkäuer bald in Massen auf dem Weg und wir müssen mitten hindurch. Bald endet der Forstweg und mit ihm auch die bis jetzt gemäßigte Steigung. Jetzt entfernen wir uns in steilen Kehren im Wald vom Turabach und treten schließlich aus dem Wald auf die Starzelalpe.

An der alten Hütte machen wir im Schatten eine kurze Rast und frischen unseren Sonnenschutz auf. Bald geht es weiter bergauf über einen grünen Hang ins Starzeljoch. Auf jetzt 1877 m Höhe können wir um 10:50 Uhr zum ersten Mal auf die andere Seite der Kleinwalsertaler Berge ins Gebiet des Bregenzerwaldes blicken. Wir halten uns links auf dem Kamm, wo uns ein mit Hanfseilen gesicherter Gratweg in Richtung Hochstarzel führt.

Schon auf dem Weg zum Starzeljoch, wie auch jetzt und auf der restlichen Tour, lernen wir die negativen Seiten der blühenden Grashänge kennen. Vor lauter Insekten, die einem um den Kopf schwirren und surren, sieht man den Weg nicht und versteht sein eigenes Wort kaum. Trotzdem hat der Grat einiges zu bieten, man sieht in Richtung Nordosten blickend Elfer- und Zwölferkopf sowie die Hammerspitzen, südlich davon den mächtigen Widderstein und dahinter teilweise hervorlugend den Biberkopf, im Süden die Braunarlspitze und östlich Warther Horn und Karhorn.

Das klare Wetter erlaubt wunderbare Fernblicke, die bleibenden Eindruck hinterlassen. Um 11:30 Uhr überschreiten wir den Gipfel des Hochstarzels, um nach einem kurzen Abstieg 20 Minuten später im Derrenjoch an einer Wegkreuzung anzugelangen. Hier blickt man auf unser nächstes Ziel, die Güntlispitze.

Wir begeben uns auf den Aufstiegsweg, auf halber Strecke machen wir im Grashang eine erste längere Pause und packen unsere Vesper aus. Im Anschluss ist gegen 12:40 Uhr der Gipfel der Güntlispitze fällig und danach steigen wir zunächst in Richtung Häfnerjoch ab. Bemerkenswert ist, dass wir den ganzen Tag seit dem Turatal keinem Menschen mehr begegnet sind, heute gehört der Berg ganz uns alleine. Wo der Weg nach rechts abzweigt, wagen wir uns sogar in noch einsameres Gelände vor. Der Weg auf dem Grat zur Hinteren Üntschenspitze ist nicht einmal beschildert und wird wohl nicht mehr oft begangen.

Lohnenswert ist diese Stück aber allemal, jedenfalls wenn man die nötige Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringt. Der Grat ist teilweise ausgesetzt und die eine oder andere Stelle kann durchaus als Herausforderung bezeichnet werden. Vor allem ein ca. fünf Meter kurzes Stück noch vor dem Gipfel der Hinteren Üntschenspitze kostet ein wenig Überwindung. Die Drahtseilsicherung ist defekt und links wie rechts geht es ordentlich in die Tiefe, hier will jeder Tritt überlegt gesetzt werden.

Weiter geht es um 13:40 Uhr auf den Gipfel, der wenig markant ist und danach bergab auf einem steilen Steig ins Üntschenjoch, wo wir um 14:05 Uhr nach links auf den Üntschenpass in Richtung Stierlochalpe abbiegen. Auf den ersten Metern erwarten uns keine Probleme, doch bald verliert sich der Weg in den hohen Gräsern und Büschen und wir müssen uns querfeldein nach unten schlagen. Erst als wir nach einem beschwerlichen Abstieg eine Stunde später die Stierlochalpe erreichen ist der Weg wieder ordentlich begehbar. Im Rückblick könnte man meinen, das ein direkter Abstieg über den Osthang der Hinteren Üntschenspitze vielleicht angenehmer gewesen wäre.

Wir rasten kurz und steigen dann weiter bergab ins Bärgunttal, wo ich im Bach meine eingesauten Schuhe säubere und wir kurze Zeit später gegen 15:40 Uhr zur Bärgunthütte kommen. Hier kehren wir ein und gönnen uns ein Spezi bzw. eine Apfelsaftschorle mit Blick auf den Widderstein zur Erfrischung. Mit diesen Getränken kommen wir uns wie Außenseiter vor, denn so gut wie alle anderen Gäste trinkem pure Milch aus Gläsern.

Nach der Pause müssen wir jedenfalls nur noch eine kurze Strecke bergab laufen und kommen um 16:20 Uhr wieder in Baad am Auto an. Abends sitzen wir dann in Oberstdorf im Freien beim Griechen und freuen uns, dass es hier viel weniger lästige Fliegen als den Tag über gibt.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 7:35 h und 6:45 h reiner Gehzeit eine Strecke von 12,3 km mit einem Aufstieg von 1242 m und einem Abstieg von 1242 m bewältigt.

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