24.08.2007 - 25.08.2007

Heilbronner Weg / Allgäuer Alpen

Heute ist es endlich wieder soweit, die Allgäuer Alpen sehen mich wieder. Für das verlängerte Wochenende haben wir uns den Heilbronner Weg vorgenommen. Ich bin schon gestern Abend nach Schwaben angereist und habe mich ordentlich mit Schnitzel verköstigen lassen.

Heute stehen wir früh auf und packen unsere Rucksäcke nach dem Frühstück gegen 6:50 Uhr ins Auto und fahren los in Richtung Oberstdorf. Gegen 9:15 Uhr finden wir schließlich auch im Stillachtal an der Skiflugschanze den einzigen kostenfreien Parkplatz in der Nähe einer Bushaltestelle.

Wenige Minuten später haben wir bereits unsere Bergschuhe an und erwischen punktgenau den nächsten Bus nach Birgsau, wo wir um 9:30 Uhr ankommen. Von hier aus geht es zu Fuß weiter, zunächst einige Meter auf der geteerten Straße und dann halblinks auf einem Forstweg in Richtung Einödsbach, wo wir um 10:00 Uhr ankommen.

Jetzt können wir zu unserer Linken zum ersten Mal einen Blick auf die Mädelegabelgruppe werfen, über der vor kurzem die Sonne aufgegangen ist. Ab hier führt uns der Weg links auf einem schmalen Pfad in das sogenannte Bacherloch, ein kleines Seitental mit Bachlauf, das im Schneeloch sein Ende findet.

Auf halber Strecke machen wir um 10:30 Uhr unsere erste Pause. Wir liegen sehr gut in der Zeit und erreichen dann auch schon um 11:30 Uhr das Schneeloch. Hier führt der Weg nach links über eine drahtseilversicherte Felsstufe und nach wenigen Metern über eine weitere gesicherte Passage auf einen mit Gras bewachsenen Hang.

Hier führt der weitere Weg dann unschwierig, aber beständig weiter nach oben und bald erkennt man unterhalb der Berge der Guten Hoffnung auch schon das auf 2086 m gelegene Waltenberger Haus

Nach einigen Kehren kommen wir dann um 12:30 Uhr an der Hütte an. In der Hütte wird erst einmal ein Bier bestellt und wir lassen uns unser Bettenlager zeigen.

Zum frisch gezapften Bier verdrücken wir dann auf der Terrasse die mitgebrachten kalten Schnitzel und ruhen uns im Anschluss noch ein wenig in der Sonne aus. So wie es auschaut, haben wir mit dem Wetter wieder einmal unverschämtes Glück, der Wetterbericht war schon im Laufe der Woche von Tag zu Tag besser geworden und nun ist für den restlichen Tag und für Morgen bestes Bergsteigerwetter vorhergesagt.

Gegen 13:30 Uhr haben sich unsere Kräfte wieder einigermaßen regeneriert und wir marschieren von der Hütte aus noch ein Stück weiter.

Wir begeben uns auf den Pfad ins Vordere Bockkar und nachdem wir einige Höhenmeter hinter uns gebracht haben, sehen wir auf einer Geländestufe einige Steinböcke, die sich in der Sonne ausruhen und keine Scheu vor uns zeigen. Nur in wenigen Metern Entfernung passieren wir die Tiere und gehen weiter. Im oberen Teil des Geröllfelds treffen wir noch einmal auf weitere Steinböcke, die sich von uns auch nicht beeindrucken lassen.

Wir gehen weiter und treffen bald an den Felsen der Bockkarscharte ein, nach ein wenig leichter Kletterei stehen wir dann um 14:50 Uhr in der Scharte und haben ab hier freien Blick nach Süden auf die Lechtaler Alpen und noch weiter darüber hinaus.

Hier ist für uns wieder eine kleine Pause angesagt, in der wir uns beraten, welchen weiteren Weg wir nehmen wollen. Die Entscheidung fällt schließlich auf die Besteigung des Bockkarkopfes und so machen wir uns an den Anstieg, der mit Drahtseilen gesichert ist.

Um 15:30 Uhr kommen wir am Gipfel an und schon während des Anstiegs konnten wir beobachten, dass auf der nördlichen Seite des Berges Wolken den Berg heraufziehen. Während im Süden auf österreichischer Seite noch immer bestes Wetter herrscht, blicken wir nach Norden jetzt auf den inzwischen teilweise wolkenverhangenen Aufstiegsweg.

Nach einer kurzen Fotosession auf dem Gipfel machen wir uns an den Abstieg in die Socktalscharte, wo wir um 16:10 Uhr eintreffen. Von hier aus geht es rechts hinab in das Hintere Bockkar, ein im Abstieg unangenehm zu gehendes Geröllfeld, das uns wieder in die Nähe des Waltenberger Hauses bringt.

Jetzt ist noch einen größerer Bergvorsprung zu umrunden und ein Stück Geröllfeld zu queren und schon sind wir um 17:10 Uhr wieder an der jetzt komplett in einer Wolke liegenden Hütte angekommen.

Da der Gastraum der Hütte schon bis auf den letzten Platz belegt ist, nehmen wir unser Abendessen in Form von Käsenudeln im Freien zu uns. Dabei werden wir von 2 Steinböcken besucht, die aus dem Nebel den Bergweg herabkommen und sich nur wenige Meter von uns am Rand der Terasse einige Gräser schmecken lassen.

Heute gehen wir früh ins Bett, was jedoch nicht dazu führt, dass wir besonders viel Schlaf abbekommen. Der Schnarcher neben mir und die Enge im Matratzenlager tun ihr übriges und lassen die Nacht nur bedingt erholsam werden.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 7:40 h und 6:10 h reiner Gehzeit eine Strecke von 9,8 km mit einem Aufstieg von 1976 m und einem Abstieg von 876 m bewältigt.

Am nächsten Tag stehen wir um kurz nach 6:00 Uhr auf, als sich auch die ersten übrigen Bergtouristen aus den Schlafsäcken pellen. Ein bisschen Wasser ins Gesicht und die Sachen wieder in den Rucksack gepackt und schon sind wir um Punkt 7:00 Uhr mit die ersten, die ihr Frühstück zu sich nehmen. Eine Viertelstunde später sind wir dann abmarschbereit und begeben uns unter inzwischen wieder wolkenlosem Himmel auf den Weg ins Hintere Bockkar, während wir das morgendliche Bergpanorama bewundern.

Das Geröllfeld ist zwar auch im Aufstieg nicht einfach zu bezwingen, doch allemal besser als bergab und so stehen wir um 8:20 Uhr wieder in der Socktalscharte. Hier lassen wir von einem Bergsteiger, der uns nachgefolgt ist, ein Foto von uns beiden in der Morgensonne machen und dann legen wir los, um den restlichen Heilbronner Weg zu begehen. Aus der Socktalscharte geht es über ein paar einfache gesicherte Stellen bergauf und bald sehen wir im Westen die Rappenalpen und den Widderstein.

Weiter geht es auf den Steinschartenkopf, wo uns um ca. 9:00 Uhr die berühmte Leiterbrücke und die Leiter vom Gipfel erwarten. Natürlich halten wir diese beiden Stellen mit dem Foto fest.

Vom Steinschartenkopf erscheint auch das Hohe Licht sehr nah und es reizt uns schon, diesen Berg im vorbeigehen auch noch mitzunehmen. Jetzt geht es aber erst einmal ein wenig bergab in die kleine Steinscharte, wo ein Weg nach Steeg im Lechtal abzweigt und etwas später durch das "Heilbronner Thörle", ein schmaler Felsdurchgang, in dem eine Selektion der überbreiten oder zu üppig bepackten Bergsteiger stattfindet.

Danach sieht man schon die Abzweigung zum Hohen Licht, die daran zu erkennen ist, dass dort eine ganze Reihe von Rucksäcken abgelegt ist, da die meisten Leute sich nicht mit dem Gewicht auf dem Weg zum Gipfel belasten wollen.

Um 9:40 Uhr stehen wir an der Abzweigung und entscheiden uns schließlich für eine Besteigung mit kompletten Gepäck. Der Weg zum Hohen Licht ist nicht sonderlich schwierig, im unteren Teil gibt es einige Seilsicherungen, während man im oberen Teil auf dem Rücken des Berges über geröllhaltige Felsen zum Gipfel gelangt.

Um 10:10 Uhr stehen wir dann also auf dem zweithöchsten Berg der Allgäuer Alpen und drängen uns zu den anderen Bergsteigern rund um das Gipfelkreuz. Die Nähe des Heilbronner Weges macht den Berg zu einem häufig bestiegenen Ziel. Hier oben machen wir eine Pause und essen eine Kleinigkeit, während wir die von hier aus unverstellte Rundumsicht und vor allem den Blick auf den Allgäuer Hauptkamm auf uns wirken lassen.

Um 10:35 Uhr begeben wir uns dann wieder auf den Rückweg und nach ca. einer halben Stunde im Abstieg kommen wir wieder an der Weggabelung zum Heilbronner Weg an. Jetzt nehmen wir Kurs auf die Rappenseehütte, wobei zunächst ein felsiger Abstieg ansteht, der uns ins Wieslekar führt. Von dort geht es über einigermaßen ebenes Gelände in Richtung Große Steinscharte zwischen Rotgundspitze und Hochgundspitze.

In der Großen Steinscharte überqueren wir wieder die Grenze nach Deutschland und uns eröffnet sich der Blick auf Rappenseehütte und den Rappensee, der blau unterhalb des Kleinen Rappenkopfes schimmert.

Über stufiges Grasgelände erreichen wir um 12:10 Uhr die Rappenseehütte, wo wir uns im Schatten auf eine Bank pflanzen und ein Radler sowie Eintopf bzw. Suppe zu uns nehmen, um uns zu stärken.

Um 12:50 Uhr machen wir uns dann an den Abstieg zurück ins Tal der Stillach. Zunächst kommen wir um 13:40 Uhr an der Enzianhütte vorbei und gehen ohne Rast weiter talwärts.

Um 14:50 Uhr sind wir an der Petersalpe fast schon im Talboden angekommen und machen noch eine kurze Trinkpause, bis wir weitergehen und um 15:40 Uhr in Einödsbach eintreffen. Hier schließt sich unsere Runde und dieses Mal schweift unser Blick nach rechts auf die Mädelegabelgruppe, die vor sonst blauem Himmel teilweise in Wolken gehüllt ist.

Jetzt ist es zum Glück nicht mehr weit, denn unsere Füße haben auf dem Weg ins Tal ganz schön gelitten. Leider kommen wir 5 Minuten zu spät in Birgsau an und müssen so fast eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten. Um 16:30 Uhr steigen wir dann aber schließlich in den Bus, der uns zehn Minuten später am Auto abliefert.

Jetzt heißt es nur noch auf der Fahrt zurück wach bleiben und das Auto einfach den Rest machen lassen. In Schwaben angekommen, erwartet uns schon ein leckeres Abendessen in Form von frisch gebackener Pizza und nach einer kurzen Pause mache ich mich dann auf den Weg zurück nach Aschaffenburg.

Auf unserer Tour haben wir heute in insgesamt 8:50 h und 7:15 h reiner Gehzeit eine Strecke von 13,2 km mit einem Aufstieg von 1171 m und einem Abstieg von 2274 m bewältigt.

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